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Das Konzept der Neuen Autorität in der Schule STÄRKE statt Macht 12 | 13 Sie vermutete ähnliche Beweggründe und hoffte auf eine begleitend heilsame Wirkung. Tatsächlich war in Zusammenhang mit dieser Vorgehensweise insgesamt die Anzahl der Fehltage in dieser Klasse deutlich zurückgegangen. Darüber hinaus wurde die Stellung von Frau S. bei der Klasse und der Elternschaft gestärkt. Beispiel 4: Beschimpfungen gegenüber Lehrern Eine Religionslehrerin wurde seit längerer Zeit von einem Schüler massiv beschimpft und vor der ganzen Klasse beleidigt. Die Lehrerin hatte schon einiges dazu gesagt und gemacht, Sanktionen ausgesprochen und sich deutlich abgegrenzt. Bisher hatte dies nichts geholfen. Sie fühlte sich erschöpft und hatte resigniert, zudem hatte sie den Eindruck, mit ihrem Problem alleine da zu stehen. Die Kollegen, denen sie davon berichtet hatte, erschienen ebenfalls ratlos und berichteten, dass sie kein Problem mit dem Schüler hätten. Sie begann, an sich selbst zu zweifeln und überlegte, die Schule zu wechseln. In einer schulinternen Lehrerfortbildung stellte sie ihr Erleben vor. Dort entstand ein Vorgehen zu ihrem Schutz sowie dem Schutz von Respekt und Wertschätzung in der Klasse. Einige Kollegen, auch der Schulleiter, erklärten sich als Unterstützerkreis der Lehrerin bereit und machten dem Schüler mündlich und schriftlich folgende Ankündigung: Wir haben wahrgenommen, wie du Frau M. wiederholt beleidigt hast. Dies macht uns große Sorgen. Zudem dulden wir nicht, dass Lehrer an unserer Schule beleidigt werden. Wir werden deine Eltern informieren und sie zu einem Gespräch bitten. Außerdem werden wir als Kollegen über dein Verhalten in engem Austausch miteinander bleiben. Die Schulsozialarbeiterin sowie dein Klassenlehrer werden dich wiederholt ansprechen und von dir eine Wiedergutmachung gegenüber Frau M. fordern. Über unser Vorgehen informieren wir auch die Klasse. Weitere Schritte werden wir entscheiden, wenn wir sehen, wie du dich von nun an verhältst. Wir machen dies, weil wir dir die Möglichkeit geben wollen, in der Klasse zu bleiben. Im Anschluss führten die Kollegen ihr Vorgehen entschlossen durch. Tatsächlich tauchten die Beleidigungen nicht mehr offen auf. Nach einiger Zeit überbrachte der Schüler mit seinem Vater ein Präsent an Frau M., entschuldigte sich ihr gegenüber für sein Verhalten und versprach, keine weiteren Beleidigungen mehr auszusprechen. Dieses Vorgehen stärkte Frau M. und ließ sie weniger an sich selbst zweifeln. Zugleich stärkte es den Rückhalt und die Gemeinschaft im Kollegium und eröffnete die Möglichkeit, über Probleme einzelner Lehrer offener zu sprechen.


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