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betonte, dass aus ihrer Sicht auch die Anwesenheit ihres Mannes (nicht der leibliche Vater von Lena) wichtig sei. Die Mutter stimmte zu, die Schulsozialarbeiterin hinzuzuziehen. Frau S. erfuhr daraufhin Hintergründe, die möglicherweise zu den vielen Fehlzeiten von Lena geführt haben. Lena stamme aus erster Ehe, die sehr dramatisch und auch mit viel Gewalterfahrung des Vaters gegenüber der Mutter zu Ende gegangen sei. Lena habe in den letzten Jahren immer wieder Befürchtungen geäußert, dass ihr Vater sie entführen könne, auch wenn diese Befürchtungen wenig realen Hintergrund hatten. Im Verlauf des Gesprächs wurden einige Entscheidungen getroffen. Alle Anwesenden kamen überein, dass sie nicht mehr zulassen möchten, dass die Angst von Lena das Verhalten zuhause und ihren Schulbesuch bestimmt. Gemeinsam konnten einige Schritte überlegt werden. Die Mutter machte ihr Vorgehen gegenüber Lena mit einer Ankündigung bekannt. Sie wurde von ihrem Partner und der Klassenlehrerin begleitet. Fortan meldete sich Frau S. regelmäßig, ging einige Male morgens und nach der Schule zu Lena nach Hause, um mit ihr zu sprechen. Sie fragte, was sie tun könne, damit Lena zur Schule kommen könne. Von der Klassenlehrerin motiviert, besuchten nach und nach Mitschüler Lena, brachten ihr die Hausaufgaben und sprachen bzw. spielten mit ihr. Weiterhin schrieben Mitschüler Briefe und Karten sowie digitale Botschaften, um Lena zu motivieren, in die Schule zu kommen. Die Mutter gewöhnte sich an, Lena morgens mitzuteilen, dass sie sie zwar nicht zur Schule zwingen könne, aber schweigend ihren Protest und ihre Sorge ausdrücken könne, was sie entsprechend tat. Die Mutter hatte weitere Unterstützer hinzugezogen. So wurde Lena einige Male morgens von der Patentante sowie einer Freundin der Mutter (die Mutter einer Freundin von Lena) abgeholt und zur Schule begleitet. Lena schaffte es nach und nach, in der Schule zu sein, zunächst einige Stunden, dann wieder ganze Tage. Frau S. begründete ihr Vorgehen übrigens nicht nur allein mit der Sorge um Lena. Sie hatte beobachtet, dass es zwei weitere Mädchen und einen Jungen in der Klasse gab, die auch regelmäßig, vor allem montags und nach den Ferien, häufig fehlten.


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